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Tough Hunter "We did it" oder Showdown im Dreck

Tough hunter

Showdown im Dreck

 

Die Beine versinken mit einem schmatzenden Geräusch im Schlamm. Nur noch der Oberkörper guckt heraus. Jetzt gibt es kein Vor und kein Zurück mehr, die einzige Chance, durch die vier Meter lange Grube zu kommen, ist auf dem Bauch. Also: ab in den Dreck. Ein Seil, das am Boden befestigt ist, dient als Zughilfe. Damit geht es zwar einigermaßen vorwärts, aber der zähe Matsch lässt die Arme schwer wie Blei werden. Außerdem kriecht die Kälte langsam durch die Kleidung, genauso wie der Schlamm, der inzwischen bis zu den Ohren reicht. Noch ein paar Züge - dann ist es endlich geschafft. Während sich Frauchen Nina stolz den Schlamm aus dem Gesicht wischt, springt ihre vierbeinige Fellnase Mila am Rand grazil wie eine Bergziege ans andere Ende der Grube, ohne dabei einen Fuß in den Matsch zu setzen, schüttelt sich kräftig und wedelt freudig mit dem Schwanz. So war das nicht ausgemacht.

Schlauplatz des dreckigen Spektakels ist Schloss Arenfels im Fichtelgebirge, eine Region in Rheinland-Pfalz inmitten von malerischen Weinbergen und schnuckeligen Fachwerkhäuschen. Hier findet an diesem Wochenende der „Tough Hunter“ statt, ein multidisziplinärer Hindernislauf, bei dem Mensch und Hund gemeinsam eine festgelegte Strecke durch den Wald laufen. Neben Canicross – einer Variante aus dem Zughundesport, in der Läufer und Hund mit einem Zuggeschirr und einer Ruckdämpferleine verbunden sind – gehören auch Fährtensuche, Apportier- oder Geschicklichkeitsübungen dazu. Gestartet wird in Teams, die aus bis zu acht Personen plus Hunden bestehen.

Die Teilnehmer kommen aus ganz Deutschland. Auch das Team „FördeDOGS“ aus Flensburg ist in diesem Jahr dabei. Die sechs Frauen unter der Leitung von Hundetrainerin Manuela Marquardsen sind zwar alle erfahrene „Canicrosser“ und trainieren regelmäßig - einen Lauf im Schlamm hat bisher jedoch noch keine von ihnen gemacht. Und genau darin liegt der Reiz. „Es ist einfach eine tolle Herausforderung, in einer fremden Umgebung zu laufen und nicht zu wissen, welche Aufgabe als nächstes auf einen wartet“, erklärt Team-Mitglied Judith. Denn die Hindernisse, mit denen die neun Kilometer lange Strecke gespickt ist, werden vor dem Lauf nicht bekannt gegeben. Und noch einen Vorteil hat die Schlammschlacht mit Hund: „Endlich darf man als Erwachsener auch mal wieder im Dreck spielen“, ergänzt Mitstreiterin Daniela mit einem Lächeln.

Mit dieser Einstellung ist sie nicht alleine – den meisten Teilnehmern geht es beim Tough Hunter nicht ums Gewinnen, sondern um den Spaß. Und daran mangelt es hier wirklich nicht: gleich am ersten Hindernis müssen Herrchen oder Frauchen ein wackeliges Kletternetz überwinden und werden dabei von den Streckenposten mit buntem Farbpulver beworfen – sehr zum Gelächter der Zuschauer und der anderen Teamkameraden. Blindes Vertrauen ist hingegen am „Tunnel“ gefragt: Hier müssen Hund und Halter gemeinsam etwa zehn Meter durch einen stockfinsteren Tunnel kriechen und können sich dabei nur an der Stimme des Vordermanns orientieren. „Solche Aufgaben stärken enorm die Bindung zwischen Hund und Mensch“, weiß Hundetrainerin Marquardsen.

Nichts für Wasserscheue ist das nächste Hindernis, das in einer stillgelegten Kiesgrube auf die Teilnehmer wartet: Beim „Down Under“ müssen die sechsbeinigen Teams durch ein Wasserloch unter einer Plan hindurchtauchen. Für Husky-Dame Inola eine Aufgabe, die auf keinen Fall in Frage kommt – mehr als die Pfoten dürfen bei ihr nicht nass werden. Zum Glück drücken die Helfer in solchen Fällen ein Auge zu und lassen sie Hündin an einer flachen Stelle passieren. Im Gegensatz zu Sarah und ihrem Mischlings-Rüden Kalle. Die beiden holen tief Luft und stürzen sich kurzerhand kopfüber ins Wasser.

So verschieden wie die Hindernisse sind auch die Hunde, die beim Tough Hunter starten. Vom Königspudel bis zum Chihuahua stürzen sich hier alle mit der gleichen Begeisterung in den Dreck. Eitelkeiten sind hier fehl am Platz, schon nach kurzer Zeit verwandeln sich schneeweiße Löckchen in eine braune Schlammkruste und sorgsam gestriegelte Mähnen in eine zottelige Straßenköter-Frisur. Vermutlich ist genau das der Reiz, den solche Events ausüben. Raus aus dem Alltag, rein in den Dreck.

Kurz vor dem Ziel geht es gemeinsam mit den Vierbeinern eine zwei Meter hohe Rutsche hinunter – die natürlich mitten in einem Schlammloch endet. Für die Zuschauer im Zielbereich ein gefundenes Fressen: Jede mehr oder weniger elegante Bruchlandung in der überdimensionalen Matschpfütze wird von lautem Gejohle begleitet. Nach knapp zweieinhalb Stunden laufen auch die „FördeDOGS“ völlig verdreckt aber glücklich über die Ziellinie – als drittes von insgesamt rund 50 Teams. Die Zeit spielt allerdings keine Rolle. Gewertet wird lediglich eine kurze Sprintstrecke auf dem Trail, der Rest läuft unter dem Motto „Egal wie lange es dauert – Hauptsache ins Ziel kommen“. Das Konzept geht auf: Hindernisläufe im Dreck boomen nicht nur in der normalen Läufer-Szene, auch im Hundesport springen jedes Jahr neue Veranstalter auf den Zug auf und bieten immer neue Schlamm-Parcours in ganz Deutschland an.

Für Teamleiterin Manuela Marquardsen aus Flensburg steht jedenfalls schon fest: „Nächstes Jahr sind wir wieder dabei!“ Aber vorher geht es erst einmal ab unter die Dusche.